Pfarrer Eberius: Hausandacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis, dem 17. Juli 2022 (Text)

Setzen Sie sich im Kreis Ihrer Familie zusammen und halten gemeinsam eine Andacht.

Ich bin dieses Wochenende leicht überlastet. Deshalb stelle ich eine Andacht von Klaus Eberius ein, einem befreundeten Kollegen aus Schillingsfürst.

Vielleicht zünden Sie eine Kerze an und legen ein Kreuz daneben.

Begrüßung:
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.
Wir wollen gemeinsam vor Gott treten mit unseren Liedern und Gebeten.
Und wir hören auf sein Wort.

Lied:
EG 437 (Die helle Sonn leucht jetzt herfür) 1 – 4

Gebet:
Du hast uns zum Glauben berufen und zu deinen Kindern gemacht.
Dafür danken wir dir durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in Ewigkeit.
Amen.

Evangelium: Lukas 5, 1 – 11
Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth 2und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. 6Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.
(Quelle: Dt. Bibelgesellschaft)

Glaubensbekenntnis

Lied:
EG 241 (Wach auf, du Geist der ersten Zeugen) 1 – 3

Text zum Nachdenken:
1. Mose 12, 1-4a
1Der HERR sprach zu Abram: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ 4Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.
(Deutsche Bibelgesellschaft)

Sprechen Sie doch miteinander über diesen Text. Oder :

Liebe Gemeinde,
Es ist schon seltsam, wie wir unser Leben verstehen. Manchmal ist Verstehen gar nicht das richtige Wort. Die Gewohnheit, das Übliche, die Routine, das Erbe der Tradition und nicht zuletzt das eigene Selbstbild überdeckt das, was wir vom Leben verstehen. Dazu gibt es Begegnungen, die alles verändern. Diesen Sonntag, berichten die biblischen Lesungen von solchen Begegnungen: Wir hören von Abram, der auf Gottes Wort hin das Vaterhaus verlässt, von Simon, den Jesus vom Fischerboot weg in die Nachfolge ruft und zum Jünger macht (Lukas 5,1-11). Die zwei haben eine Gemeinsamkeit; die ist kein Zufall! Nach ihrer Begegnung mit Gott bekommen sie einen neuen Namen. Gott hat ihren Lebensweg so radikal geändert, dass sie nicht mehr dieselben sind. Aus Abram wird Abraham, Simon wird zu Petrus, auf den Jesus seine Kirche baut. Mit Gott ist es möglich, neue Wege zu gehen! Jesus Christus lädt uns dazu ein und fordert uns dazu heraus! Wir aber stehen vor der Frage, ob wir uns von Gott rufen lassen, ob wir uns verändern lassen, ob wir – so seltsam es klingt – uns selber neu verstehen wollen und darauf vertrauen, dass Gott uns zum Guten führen will! 1„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Abram, Sohn des Nomaden Terach, verlässt auf Gottes Wort hin die vertrauten Wege und geht in ein Land, das Gott ihm zeigen (wird), und wird so zu Abraham. 4Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. Klingt einfach. Man könnte meinen, „Er geht halt diesmal woanders hin, wenn er sowieso geht! Was macht es für einen Unterschied?“ Aber so ist es nicht! Abram gibt mit dieser Entscheidung einen sehr großen Teil seines Erbes auf. Im Land und auf den Wegen der Väter kennt er sich aus! Als Nomadenkind hat er das mit der Muttermilch zu sich genommen. Er weiß, wann und wo Futter wächst; kann einschätzen, wann die Flüsse Wasser führen, und er sieht vorher, wann das Land versteppt, und die Brunnen versiegen. Unterwegs haben die Alten ihm beigebracht, was er später einmal wissen muss, um Herde und Familie sicher durchs gefährliche Nomadenleben zu führen. Kostbares Erbe der früheren Generationen! Es schützt den Leben und Auskommen von Mensch und Tier. Die Geschichte Abrahams aber beginnt damit, dass er sein Vertrauen setzt auf Gott. Das verändert ihn und es beginnt eine neue Zeit. Von Ur im Zweistromland aus wandert er mit Sack und Pack, mit allen Tieren und mit Sarah und Lot ins Ungewisse. Aber mit Gottvertrauen! Mit diesem Gottvertrauen kann er neue Wege gehen und Entscheidungen treffen, die schwierig sind, vielleicht auch unvernünftig erscheinen. Sicher hat er auch Widerstand gespürt aus den eigenen Reihen. Denken Sie nur daran, wie er – als Wasser und Futter knapp geworden war – dem Lot die Entscheidung überlassen hat, in welches Land dieser ziehen möchte. Als Sippenältester wäre es Abraham zugestanden, das fruchtbarere Land zu wählen. Er aber hat dem Jungen die fruchtbaren Täler überlassen und ist selbst in das karge Bergland gezogen. Wieder im Vertrauen auf Gott! So bewahrheitet sich im Leben des Abraham, was Gott ihm verheißen hat: 2[…] ich will dich segnen du sollst ein Segen sein. Deshalb als erstes und dann natürlich weil Gott die Verheißungen an Abraham erfüllt hat und ein großes Volk aus ihm gemacht hat, nennt man Abraham heute den Vater des Glaubens. Jude, Christen und Moslems beziehen sich bis heute auf Abraham und dessen Söhne Ismael und Isaak. Dabei geht längst nicht immer alles glatt. Sein Leben hat viele Tiefen, und Abraham ist auch beileibe kein Heiliger. Die Magd Hagar und seinen Sohn Ismael hat er im Stich gelassen; er war dazu noch ein zweites Mal bereit, seinen Sohn zu opfern – für was auch immer. All diese Episoden, in denen der Vater des Glaubens versagt und gerade nicht auf Gottes Wegen bleibt, zeigen: Mit einer Entscheidung für Gott ist es nicht getan. Der Weg des Glaubens ist ein lebenslanges Suchen und Umkehren zu Gott. Es gilt, immer wieder wie Abraham neu auf Gott zu hören und den Kontakt zu Gott zu halten; notfalls zu Gott zurückzukehren. Das tat Abraham sein Leben lang. Am Ende heißt es: Und Abraham verschied und starb in einem guten Alter, als er alt und lebenssatt war, und wurde zu seinen Vätern versammelt. (Gen 25,8) Ein friedlicher Tod! Abram hat die Herausforderung, die Gottes Ruf für sein Leben bedeutet, angenommen. Er hat seine Wahl getroffen und auf Gottes Ruf vertraut. Das hat ihn verändert; er wurde zu Abraham, dem Vater des Glaubens; lebenslang hat er sich an Gottes Verheißungen ausgerichtet und auf Gott. Das hat ihm Mut gegeben, auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Abraham ist die Bindung zu Gott inniger als das gewohnte Tun der Tradition. Er ist bereit, für den Frieden zu verzichten auf den leichte Gewinn. Ein Leben lang hält Abraham fest am Glauben und empfängt Gottes Segen. Was das mit uns zu tun hat? In der Taufe haben wir einen neuen Namen bekommen, sind seither Christinnen und Christen. So sind wir herausgefordert, Gottes Segen zu vertrauen. Gott führt zum Guten. (K. Eberius)

Lied:
EG 170 (Komm, Herr, segne uns) 1 – 4

Gebet:
Barmherziger Gott!
Mache uns und deine Kirche bereit, auf dich und dein Wort zu hören.
Und sei du bei den Problemen in unserem Land.
Da ist die Müdigkeit deiner Kirche, der Krieg im Osten, die hohen Preise bei uns.
Gib uns durch deinen Geist die richtigen Antworten und Taten.
Tröste alle, die leiden.
Lass das, was draußen blüht und wächst, zur Frucht kommen.
Lass uns mit den Menschen, die mit uns unter einem Dach leben, freundlich, liebevoll und vergebungsbereit umgehen.
Beschütze die verfolgten Christen.
Wir bitten dich auch für alle anderen Menschen, die trauern, krank oder einsam sind.
Lass sie deine Liebe und Treue erfahren.
Unser Land beschütze nach innen und außen.
Gib, dass unser Staat die Kraft findet, den Extremisten und Fanatikern auf allen Seiten entschlossen entgegenzutreten.
Amen

Vaterunser

Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater + der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Lied:
EG 421 (Verleih uns Frieden gnädiglich)

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