Pfr. Schertel: Hausandacht zum Sonntag Rogate, dem 17. Mai 2020 (Text)

Ab heute dürfen wir wieder Gottesdienste feiern. In sehr eingeschränktem Umfang: ausschließlich in Illschwang um 9 Uhr, lediglich 30 Personen können in die Kirche. Wer zu spät kommt, kann dem Gottesdienst über die Außenlautsprecher folgen. Wir müssen Mundschutz tragen und sollen nicht singen. Manchen wird das nicht gefallen. Deshalb werde ich diese Hausandachten fortsetzen, bis wieder normale Zeiten anbrechen.

Also, setzen Sie sich doch im Kreis Ihrer Familie zusammen und halten gemeinsam eine Andacht:

Vielleicht stellen Sie eine Kerze auf den Tisch und legen ein Kreuz daneben.

Begrüßung:
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Wir wollen gemeinsam vor Gott treten mit unseren Liedern und Gebeten. Und wir hören auf sein Wort.

Lied:
EG 511 (Weißt du, wieviel Sternlein stehen) 1-3

Gebet:
Allmächtiger, ewiger Gott, du bist ein naher Gott, der unser Gebet hört. Wir loben und preisen dich dafür durch Jesus Christus unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen

Evangelium: Lukas 11, 5 – 13
5 Und Jesus sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; 6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, 7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. 8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. 9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? 12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? 13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
(Quelle: Dt. Bibelgesellschaft)

Glaubensbekenntnis

Lied:
EG 344 (Vater unser im Himmelreich), 1, 8, 9.

Text zum Nachdenken:
Matthäus 6, 5 – 15
5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten:
Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
(Dt. Bibelgesellschaft)

Sprechen Sie doch miteinander über diesen Text. Oder :

Der Sonntag heute heißt Rogate, auf Deutsch „betet“. Das ist ein klarer Name und vermeintlich eine einfache Geschichte mit dem Beten. Das kann doch jeder! Aber offenbar war es damals zur Zeit von Jesus nicht einfach. Sonst hätte er nichts darüber sagen müssen. Und heute? Da haben viele Menschen ihre liebe Not damit. Sei es, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Versteht mich Gott überhaupt? Unser Text sagt eindeutig „ja! Gott versteht dich!“ Sogar schon, bevor du überhaupt zu ihm sprichst, weiß er, was du brauchst. Aber wozu dann? Kann das Gebet etwas ändern? Wenn uns doch Gott immer einen Schritt voraus ist? Ja, es kann. Das eigene Leben, aber auch die Menschen aus der Bibel zeigen das. Abraham handelt geradezu mit Gott, wie auf einem Basar, um die Menschen Sodoms zu retten. Und Jesus erzählt von einer Witwe, die den Richter so lange nervt, bis er ihr Recht gibt. Jesus selbst wurde von einer Frau überwunden, die Hilfe für ihr Kind sucht. Und die Gebetserhörung haben wir selber auch schon erfahren. Aber eben nicht immer. Weil Gott mehr Weitblick hat, als wir, oder einen anderen Plan. Doch auch dann geschieht das, was gut ist.
Mir gefällt am heutigen Text besonders, wie Jesus das „richtige“ Beten abgrenzt. Es ist nicht das laute in der Öffentlichkeit, das auf andere Leute wirken soll. So kjann es auch in der Kirche nicht die Fortsetzung der Predigt mit anderen Mitteln sein. Sondern es ist ruhiges, manchmal einsames Gespräch mit Gott. Und es kommt auch nicht auf eine bombastische, schwülstige Sprache an, oder die Wiederholung immer gleicher Sätze. Denn Gott kann zuhören. Besser, als jeder andere.
Und so wollen wir es halten und vielleicht neu einüben: das Gebet, alleine und gemeinsam. Und wenn uns die Worte ausgehen, haben wir ja noch das Vaterunser.

Lied:
EG 133 (Zieh ein zu deinen Toren), 1, 5, 10, 13

Gebet:
Barmherziger Gott!
Wir danken dir dafür, daß jetzt alles wieder besser wird und immer mehr Bereiche des Leben offen stehen.
Hilf uns, daß es keinen Rückfall in die Krisenzeit gibt – jetzt, wo alle wieder nach außen drängen. Laß uns mit den Menschen, die mit uns unter einem Dach leben, freundlich, liebevoll und vergebungsbereit umgehen.
Wir bitten dich für die, die schon infiziert sind: Hilf ihnen.
Gib, daß man schnell Therapien und Impfstoffe entwickeln kann.
Hilf den Menschen in allen Ländern, in denen der Staat zu ersticken droht.
Hilf auch denen, die durch die Beschränkungen in ihrem wirtschaftlichen Überleben bedroht sind.
Wir bitten dich auch für alle anderen Menschen, die trauern, krank oder einsam sind. Laß sie deine Liebe und Treue erfahren.
Wir danken dir, daß es geregnet hat. Die Pflanzen und Saaten haben es gebraucht. Schenke weiter wüchsiges Wetter und halte Nachtfröste und Hagel fern.
Hilf uns, jetzt das richtige zu tun, zu sagen und zu denken.
Amen

Vaterunser

Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater + der Sohn und der Heilige Geist. Amen

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