Pfarrer Schertel: Hausandacht zum Sonntag Misericordias Domini (Hirtensonntag), dem 18. April 2021 (Text)

Wir können wieder in eingeschränkter Form Gottesdienste feiern. Aber ich werde diese Hausandachten fortsetzen, bis wieder normale Zeiten anbrechen.

Also, setzen Sie sich doch im Kreis Ihrer Familie zusammen und halten gemeinsam eine Andacht:

Vielleicht zünden Sie eine Kerze an und legen ein Kreuz daneben.

Begrüßung:
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Wir wollen gemeinsam vor Gott treten mit unseren Liedern und Gebeten. Und wir hören auf sein Wort.

Lied:
EG 593 (Weil ich Jesu Schäflein bin) 1 – 3

Gebet:
Du bist unser guter Hirte, der da ist, wenn wir ihn brauchen, der sein leben für uns eingesetzt hat, und dem wir folgen wollen. Dafür danken wir dir durch Jesus Christus unseren Herrn.
Amen.

Evangelium: Johannes 10, 11 – 16:
11Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.
(Deutsche Bibelgesellschaft)

Glaubensbekenntnis

Lied:
EG 274 (Der Herr ist mein getreuer Hirt) in Auswahl

Text zum Nachdenken:
Hesekiel 34, 1 bis 16
1Und des HERRN Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? 3Aber ihr esst das Fett und kleidet euch mit der Wolle und schlachtet das Gemästete, aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. 4Das Schwache stärkt ihr nicht und das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verirrte holt ihr nicht zurück und das Verlorene sucht ihr nicht; das Starke aber tretet ihr nieder mit Gewalt. 5Und meine Schafe sind zerstreut, weil sie keinen Hirten haben, und sind allen wilden Tieren zum Fraß geworden und zerstreut. 6Sie irren umher auf allen Bergen und auf allen hohen Hügeln und sind über das ganze Land zerstreut und niemand ist da, der nach ihnen fragt oder auf sie achtet. 7Darum hört, ihr Hirten, des HERRN Wort! 8So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind und meine Herde zum Fraß für alle wilden Tiere, weil sie keinen Hirten hatten und meine Hirten nach meiner Herde nicht fragten, sondern die Hirten sich selbst weideten, aber meine Schafe nicht weideten, 9darum, ihr Hirten, hört des HERRN Wort! 10So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen. 11Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. 12Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. 13Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. 14Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. 15Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR. 16Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
(Deutsche Bibelgesellschaft)

Sprechen Sie doch miteinander über diesen Text. Oder :

Manche Leute glauben ja, die Bibel sei ein altes und überholtes Buch. Aber wenn ich die Worte des Porpheten über die „Hirten“, also die Könige und Großen in Israel lese, dann drängen sich mir sehr viele Parallelen zu unserer Zeit auf. Dabei hat Hesekiel diese Sätze vor mehr, als 2.500 Jahren ausgesprochen. Für ihn sind sie ein Teil der Erklärung dafür, warum Gott sein Volk hat in die babylonische Gefangenschaft gehen lassen. Ein wichtiger Grund war, dass die Hirten ihre Herde nicht geweidet, geheilt und beschützt, sondern ausgebeutet, unverbunden gelassen und zerstreut hatten. In den letzten Wochen war ich bestürzt, wie sich Bundestags- und Landtagsabgeordnete bereichert haben. Und ich sehe mit Unverständnis das Gegeneinander der Landesregierungen bei der Coronabekämpfung, oder den gockelhaften Streit zweier um die Kanzlerkandidatur. Gleichzeitig werden wichtige Maßnahmen zur Pandämiebekämpfung unterlassen, obwohl die Wissenschaft warnt. So wird es mit den Lockdowns noch lange weitergehen. Eine Herde weiden, ihre Kranken heilen und so weiter – das geht anders. Hirte sein bedeutet dienen und nicht herrschen. Und es wäre gut, wenn die Vertreter unserer Kirche deutlich auf die Vergehen und Versäumnisse in unserem Staat hinweisen würden. So, und jetzt könnte ich mich zurücklehnen. Dampf abgelassen, auf Gottes Vorgaben für eine gute Regierung hingewiesen und gut ist’s. Aber, häufig ist doch jeder von uns auch so ein Hirte, ich als Pfarrer, Sie vielleicht als Eltern, als Ehepartner und so weiter. Und wir müssen uns fragen lassen: Wie sehr liegt uns das Wohl der Menschen am Herzen, die uns anvertraut sind? Müssten wir nicht auch manchmal heilen und dienen, anstatt zu herrschen und zu verletzen? Der Prophet Hesekiel belässt es aber nicht bei einem Herrschaftsspiegel. Sondern er hat eine Verheißung für uns. Wo menschliche Hirten versagen, tritt Gott selbst für uns ein. Er will suchen, heilen und retten. Das macht mich froh. Ich bin nicht allein in dieser seltsamen Zeit. Sondern Gott hält mich fest. Er hört mir zu und er führt mein Leben am Ende gut heraus.

Lied:
EG 594 (Der Herr, mein Hirte, führet mich), 1 – 5

Gebet:
Barmherziger Gott!
Wir bitten dich für deine Kirche. Hilf ihr, auf dich zu vertrauen, beharrlich zu beten und dem Zeugnis der Bibel zu folgen.
Gott, die Inzidenzwerte steigen wieder und viele von uns haben keine Lust mehr. Manche leiden sehr unter den Beschränkungen. Gib uns Geduld bei allem, was vor uns liegt. Schütze uns vor schweren Nebenwirkungen, wenn wir mit der Impfung an der Reihe sind.
Ganz besonders bitten wir dich für unsere Hirten, die Regierungen in Bund und Land. Laß sie sich kompromisslos für das Wohl der Menschen einsetzen. Hilf, dass sich Vernunft und Besonnenheit durchsetzen. Schütze uns und unser ganzes Land.
Lass uns mit den Menschen, die mit uns unter einem Dach leben, freundlich, liebevoll und vergebungsbereit umgehen.
Beschütze die verfolgten Christen und hilf den Menschen in Äthiopien, deren Land unter einem Bürgerkrieg leidet.
Wir bitten dich auch für alle anderen Menschen, die trauern, krank oder einsam sind. Laß sie deine Liebe und Treue erfahren. Sei du bei denen, die im Sterben liegen.
Amen

Vaterunser

Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater + der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

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