Pfarrer Schertel: Hausandacht zum Karfreitag, dem 2. April 2021 (Text)

Im Kirchenvorstand haben wir lange beraten und uns dann entschieden, nur am Ostersonntag Gottesdienst zu halten. Aber der Karfreitag ist trotzdem einer der wichtigsten Feiertage im Kirchenjahr. Also, setzen Sie sich doch im Kreis Ihrer Familie zusammen und halten gemeinsam eine Andacht:

Vielleicht zünden Sie eine Kerze an und legen ein Kreuz daneben.

Begrüßung:
Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Wir wollen gemeinsam vor Gott treten mit unseren Liedern und Gebeten. Und wir hören auf sein Wort.

Lied:
EG 94 (Das Kreuz ist aufgerichtet) 1 – 5

Gebet:
Jesus Christus, am Kreuz hats du gelitten und für unsere Schuld bezahlt. Dafür danken wir dir, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst in Ewigkeit.
Amen.

Evangelium: Johannes 19, 16 – 30:
Da überantwortete Pilatus ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde. Sie nahmen ihn aber 17und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte. 19Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden. 20Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben. 23Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten. 25Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund. 30Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht!, und neigte das Haupt und verschied.
(Deutsche Bibelgesellschaft)

Glaubensbekenntnis

Lied:
EG 552 (Es ist vollbracht), 1 – 3

Als Text zum Nachdenken schlage ich das Evangelium vor.

Sprechen Sie doch miteinander über diesen Text. Oder :
Der Karfreitag ist ein stiller Tag. Öffentliche Arbeiten, Musik und Vergnügen sollen nicht stattfinden. Das ist auch ohne Corona so. Es ist ein Tag zum Nachdenken. Über Jesus, der am Kreuz gestorben ist. Johannes ist in seiner Darstellung ein monumentales Kunstwerk gelungen. Im Hintergrund die Unaufgeregtheit der Römer, die irgendeinen potentiellen Aufrührer hinrichten. Pilatus hat den Fall zu den Akten gelegt. Nicht einmal die Tafel am Kreuz, auf die ein paar Worte gekritzelt sind, will er noch ändern. Und die Soldaten losen um die Habseligkeiten Jesu. Trostlose Normalität. Die zeternden jüdischen Autoritäten sind einerseits am Ziel. Jesus stirbt. Andererseits müssen sie sich über den Titulus „König der Juden“ ärgern. Jesus wird sterben. Von der Hand der Heiden und der Juden. Alle wollen es, außer der drei Frauen und des Lieblingsjüngers. Vom Kreuz aus sorgt Jesus noch für sie. Ansonsten nimmt er hin, was an ihm geschieht, seltsam ungerührt. „Es ist vollbracht!“ sind seine letzten Worte. Das Grauen der Jünger, die von ferne zuschauen, schildert Johannes nicht. Und doch ist es eine ganz schreckliche Szene, auch wenn wir wissen, dass Jesus für unsere Schuld bezahlt und für unsere Sünde gestorben ist. Viele Menschen kommen mit der Kreuzigung Jesu nicht mehr zurecht. Die einen wollen nichts mehr davon hören, weil alles so grausam ist. Die anderen sind gleichgültig und fragen, wo denn ihre Schuld liegt, für die Jesus gestorben sein soll. Ja, es ist grausam, wie so vieles auf der Welt. Ja, wir werden immer wieder schuldig, auch wenn wir es überspielen. Und: ja, es zeigt Gottes Liebe und Opferbereitschaft, mit der er alles tut, um uns heimzuholen in seinen Bereich. Deshalb ist es wichtig, wo wir stehen: abseits, oder ganz nahe bei Jesus.

Lied:
EG 85 (O Haupt, voll Blut und Wunden), 1, 2, 4, 6

Gebet:
Barmherziger Gott!
Du hast dich selbst am Kreuz geopfert, für uns und alle Menschen, die an dich glauben. Hilf uns, dir treu zu sein, deine Vergebung anzunehmen und sie an andere Menschen weiterzugeben.
Wir kommen oft nicht mit unserem eigenen Schicksal zurecht und der Trost anderer verpufft. Mach uns beständig im Vertrauen auf dich.
Gott, die Inzidenzwerte steigen wieder und viele von uns haben keine Lust mehr. Manche leiden sehr unter den Beschränkungen. Gib uns Geduld bei allem, was vor uns liegt. Schütze uns vor schweren Nebenwirkungen, wenn wir mit der Impfung an der Reihe sind.
Lass die Verwaltungen die anstehenden Aufgaben zügig und gut bewältigen. Schütze uns und unser ganzes Land.
Lass uns mit den Menschen, die mit uns unter einem Dach leben, freundlich, liebevoll und vergebungsbereit umgehen.
Beschütze die verfolgten Christen und hilf den Menschen in Äthiopien, deren Land unter einem Bürgerkrieg leidet.
Wir bitten dich auch für alle anderen Menschen, die trauern, krank oder einsam sind. Lass sie deine Liebe und Treue erfahren. Sei du bei denen, die im Sterben liegen.
Amen

Vaterunser

Segen:
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater + der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

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